Was ist Nordic Walking eigentlich?

Es sieht aus wie Langlauf, aber man braucht keine Berge und keinen Schnee dafür. Es ist nichts für Schnelligkeitsfanatiker, und doch kommen auch Anfänger ganz schön ins Schwitzen: Nordic Walking begeistert die Massen.

Nordic Walking gehört zu den Ausdauersportarten und definiert man als Gesundheitsgehen mit speziell entworfenen Stöcken. Das Gehen wird hierbei durch den Einsatz der Stöcke im Rhythmus der Schritte unterstützt. Der Bewegungsablauf erfolgt hierbei zyklisch: Der rechte Stock hat immer dann Bodenberührung, wenn die linke Ferse aufsetzt, der linke Stock, wenn die rechte Ferse aufsetzt. Das Abdrücken vom Boden mit den Stöcken trainiert die Brust-, Schulter- und Armmuskulatur, gleichzeitig entlastet es die Fußgelenke. Darüber hinaus ist Nordic Walking eine gute Koordinationsschulung von Armen und Beinen. Generell ist Nordic Walking für viele verschiedene Alters- und Personengruppen geeignet. Egal ob 15 oder 70, egal ob sportlich oder unfit: Nordic Walking eignet sich für jede Altersklasse. Denn Tempo und körperliche Anstrengung können individuell an Alter und Trainingsstand angepasst werden. Es eignet sich also für jeden, der etwas für sein körperliches Wohlbefinden tun möchte.

Für Rehapatienten nach Sportverletzungen ist Nordic Walking zum Beispiel gut einsetzbar. Nordic Walking kann spielend einfach erlernt werden und ist daher nicht nur für Sportler, sondern auch für „Couch-Potatoes” interessant. Mit Nordic Walking können sich vor allem Personen, die bisher wenig Sport getrieben haben oder sogar generell unter Bewegungsmangel leiden, wieder in Form bringen. Das Training ist nicht sehr anstrengend, aber dennoch effektiv: Verspannungen werden gelöst, die Muskeln betätigt, der Fettabbau gefördert, der Stoffwechsel verbessert und das allgemeine Wohlbefinden steigt rapide an. Durch die Verwendung von Oberkörper und Armen während des Trainings werden beim Nordic Walking außerdem Schultern, Nacken und Arme besser durchblutet als normal. 1997 wurden die ersten Gehstöcke von der finnischen Firma Exel hergestellt und auf den Markt gebracht. Der Fachausdruck „Nordic Walking” entstand 1999 und wurde im gleichen Jahr durch ein Werbeflugblatt international bekannt.

Es ist der ideale Sport für unsere moderne Gesellschaft: Durch das viele Sitzen im Alltag ist die Hüfte meistens gebeugt, der Rücken oft krumm. Nordic Walking bildet ein ideales Gegengewicht. Es streckt die Hüfte und kräftigt gleichzeitig Rücken-, Schulter-, Bein und Gesäßmuskulatur. Nach einer Stunde Nordic Walking fühlt man sich aufgerichteter und lockerer.

Verschiedene Variationen

Es gibt beim Nordic Walking allerdings auch Variationen. Denn grundsätzlich gilt: Jede Bewegung, die man lange und kontinuierlich durchführt, verliert an koordinativem Reiz. Um seine Fähigkeiten zu trainieren, kann man zwischen verschiedenen Bewegungen variieren. Der bekannteste Grundschritt beim Nordic Walking ist die Diagonaltechnik. Dabei wechseln sich rechter und linker Arm ab. Darauf kann man Variationen bauen, wie zum Beispiel die Doppelstocktechnik. Das heißt: Beide Arme werden gleichseitig eingesetzt. Weitere Variationen sind: einarmiges Gehen, Hopser- und Skating-Lauf. Wer richtig aus der Puste kommen möchte, kann mit den Stöcken laufen oder sogar rennen. Nordic Walking sollte man also nicht unterschätzen.

Wie der Name Nordic Walking schon vermuten lässt, stammt die Sportart aus Skandinavien. Im Ursprungsland Finnland betreiben 900 000 Menschen „Sauvakäveley“ (Nordic Walking) – bei einer Gesamtbevölkerung von nur 5,5 Millionen! Kein Wunder, schließlich besitzen die klassischen nordischen Wintersportarten dort eine große Tradition. Und die Sommertrainingsmethode der Langläufer, Biathleten und nordischen Kombinierer – der so genannte Skigang – ist dort seit mehr als siebzig Jahren bekannt. Vor etwas mehr als zehn Jahren konstituierte sich in Finnland die INWA, die „International Nordic Walking Association“. Sie sorgt für eine qualitativ gute Ausbildung von weltweiten Nordic-Walking-Instruktoren. Außerdem erforscht die INWA wissenschaftlich die Gesundheits- und Trainingsaspekte sowie die technologische Entwicklung von Nordic Walking.

Extra angelegte Walking-Parcours

Groß angelegte Nordic-Walking-Parks bieten Anfängern und Fortgeschrittenen mittlerweile in ganz Europa die Möglichkeit, ihren Freizeitsport auszuüben. Das meist landschaftlich besonders reizvolle und beschilderte Streckennetz mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden lässt sich auch von Wanderern und Läufern nutzen.

Auch in Deutschland zeigt sich der Nordic-Walking-Boom: Nicht nur Ex-Sportprofis wie Rosi Mittermaier und Christian Neureuther gehen „am Stock“. Mehr als zwei Millionen Nordic Walker gibt es bei uns schon. Nordic Walking ist damit – laut einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) – die beliebteste Sportart, mit der Bundesbürger neu einsteigen.

Heutzutage erkunden Stock-Fans Deutschlands höchste Nordic-Walking-Strecke auf dem Allgäuer Nebelhorn, düsen durch eigens angelegte Walking-Parcours oder verabreden sich zum „Nordic-Walking-Treff”. Denn Analog zu den Lauf- und Walking-Treffs gibt es immer mehr offiziell beim DLV gemeldete Nordic-Walking-Treffs. Und diese Tendenz ist steigend. Hier kann unter kompetenter und fachlicher Anleitung gemeinsam in der Gruppe Nordic Walking betrieben werden. Seit Jahren werden Strukturen, Ausbildungskonzeptionen, Betreuer und Ausbilder-Schulungen ständig weiterentwickelt und die 20 Landes-Leichtathletik-Verbände gewährleisten Qualität. Gemäß der Lauf-Treff-Philosophie wird eine Stunde gemeinsam gewalkt und alle starten gemeinsam und kommen auch wieder gemeinsam an. Der Schwächste der Gruppe bestimmt das Tempo mit. Mit den Deutschen Nordic Walking Meisterschaften im Halbmarathon, die im Oktober 2010 im oberschwäbischen Altshausen mit 194 Teilnehmern stattfanden, kam auch ein Leistungsbezug in den Sport.

Der Einsatz von Stöcken macht aus Walking ein Training, bei dem zusätzlich die Muskulatur des Oberkörpers beansprucht wird. Nordic Walking ist deshalb für ambitionierte Sportler ebenso geeignet wie für untrainierte Menschen. Die Gelenke werden jedoch, entgegen anders lautenden Behauptungen, mehr belastet als beim normalen Spazieren. Nach einer Studie von Sportmedizinern des Krankenhauses für Sportverletzte in Hellersen ist der Sauerstoffverbrauch (und daraus folgernd die Ausdauerbelastung) beim Nordic Walking mit korrekter Ausführung ca. 5 % höher als beim konventionellen Walking, wenn dieses ohne zusätzliche Oberkörperbewegungen durchgeführt wird.

Vier Fünftel derjenigen, die in Deutschland Nordic Walking regelmäßig betreiben, sind Menschen, die nie zuvor oder aber vor langer Zeit sportlich aktiv waren. Denn der Sport verlangt zunächst scheinbar keine besondere Sportlichkeit: Die Bewegung sieht simpel aus, ein Fuß ist immer am Boden, die Gefahr gravierender Verletzungen nicht sehr groß. In Wirklichkeit aber ist das koordinierte Gehen mit den Stöcken eine recht komplexe Angelegenheit: Bis zu achtzig Prozent aller Nordic Walker, so schätzen Experten, gehen hierzulande technisch nicht sauber – und das könnte auf längere Sicht Verletzungsgefahren mit sich bringen. Was also auf den ersten Blick so einfach aussieht, muss ordentlich einstudiert werden.

Es gibt auch noch weitere Kritik an dem Sport. Verschiedene Stimmen sehen in der Sportart Nordic Walking einen von Zubehörherstellern ausgelösten Trend. Es besteht auch ein gewisses Risiko, da beim Nordic Walking durch den Stockeinsatz auch Belastungen in Ellenbogen und Schulter auftreten. Die richtige Technik beim Nordic Walking ist deshalb sehr wichtig. Zusätzlicher Kritikpunkt ist die eben bereits angedeutete Wahrnehmung, die Mehrzahl der Nordic Walking ausübenden Menschen beherrsche die Technik nicht und gehe nur „mit schleifenden Stöcken“ spazieren oder führe den Sport mit einer zu niedrigen Intensität aus.

Bei älteren Personen sehr angesehen

Allerdings wird gerade von medizinischer Seite positiv bemerkt, dass sich viele Menschen so wenigstens überhaupt bewegen. Trotzdem ist Nordic Walking immer noch weitverbreitet verrufen als Senioren-Sport und Bewegung für Faule. Während Nordic Walking jedoch von vielen jüngeren Personen als langweilige Sportart empfunden wird, ist diese bei älteren Personen sehr angesehen. Nordic Walking macht vor allem in Gruppen Spaß und kann als Vereins- oder Teamsportart überzeugend abschneiden. Nordic Walking ist also eine Gemeinschafts-Sportart, welche sowohl jüngere als auch ältere Personen miteinander vereinen kann.

Wenn du dich fragst, ob Nordic Walking auch für dich geeignet ist, kannst du dir diese Frage ganz einfach mit „Ja” beantworten. Probiere das Laufen mit den Nordic-Walking-Stöcken einfach aus und du wirst bemerken, dass die scheinbar langweilige Sportart viele positive Seiten besitzt und auf Dauer enorm viel Spaß machen kann. Die gesundheitlichen und körperlichen Auswirkungen werden ebenfalls nicht lange auf sich warten lassen. Viele Personen haben Nordic Walking einmal ausprobiert und nicht mehr aufgehört. Und wenn du ein Couch-Potatoe bist oder ganz einfach längere Zeit keinen Sport mehr gemacht hast, ist Nordic Walking ebenfalls die richtige Sportart. Mit dieser Sportart kannst du den Einstieg in sportliche Betätigungen finden und deine Kondition langsam aber sicher wieder aufbauen!

Hie nochmal die Vorteile von Nordic Walking auf einen Blick: Schonender Ganzkörpersport, Stressabbau, positive Auswirkung auf das Wohlbefinden, regt die Fettverbrennung an und verbessert die Kondition, Muskeln werden besser durchblutet, Verklebungen gelöst und Beweglichkeit gefördert.

Bild Copyright: Image by StockUnlimited

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.